Urlaubsspaziergang am Donnerstag, den 6. August 2015 - Durch den Fürstlich-Hohenzollerischen Park in Krauchenwies

Zahlreichen Zuspruch fand das Urlaubsangebot, an einem Nachmittagsspaziergang mit historisch-kultureller Akzentuierung teilzunehmen. Rund 30 Teilnehmer – Mitglieder und Gäste des Vereins – erfuhren, beginnend am Marstall von 1789 an der B 311, vorbei am Alten Schloss (1595 bzw. 1780) und dem, noch heute als Wohnsitz der Adelsfamilie genutztem „Landhaus“ (1828), jeweils die historisch-kulturellen bedeutsamen Daten, Fakten und Anekdoten.

So wurde am Alten Schloss über dessen Geschichte von der mittelalterlichen Burg zum repräsentativen Renaissance-Schloss, dann in der jüngeren Geschichte, zum Lager für den „Reichsarbeitsdienst der weiblichen Jugend“ und schließlich zu dessen Verwendung als „Kinderheim Schloss Krauchenwies“ informiert. Über die Person des Erbprinzen und späteren Fürsten Karl von Hohenzollern-Sigmaringen (1785 bis 1853) wurde aufgezeigt, wie dieser, als überzeugter Gestalter und Naturfreund, ab 1828 das Sommerschloss „Landhaus“ und den 61 Hektar großen Park im englischen Stil selbst initiierte, plante, gestaltete und unter Einbeziehung namhafter Fachleute realisierte. Die in diesem „englischen Garten“ realisierten Gestaltungsgrundsätze konnte die Besuchergruppe bei ihrem Spaziergang durch den herrlich schattigen Park mit allen Sinnen nacherleben: Wechsel von hellen Wiesen mit schattig-dämmerigen Waldstücken, geschwungene Wegführung, neue Sichtachsen, Fluss- und Seenlandschaften mit Brücken, Inseln, und Gruppen mächtiger, zum Teil exotischer Bäume, die wie Kulissen die Wiesen umstellen.

 

Am sogenannten Kaiserstuhl am nördlichen Ende des Parks wurde vom Wanderführer das zu Beginn gestellte Rätsel gelöst, weshalb die Ortschaft Krauchenwies den Beinamen „Kleinparis“ bekommen habe: Wie Kaiser Wilhelm I. mit einer Gattin Augusta ab 1871 immer wieder in den Sommermonaten Gast der Verwandtschaft im Krauchenwieser Schloss und Park sein durfte, so war der Ort im Sommer Treffpunkt verwandter Königshäuser aus Belgien, Portugal, Preußen, Rumänien und Sachsen und anderer hochrangiger Gäste. Feste, Theateraufführungen und Konzerte, Feuerwerk, Kutsch- und Bootsfahrten, Gesellschafts-spiele, Spaziergänge und Picknicks bestimmten dann das höfische Leben in Dorf, Schloss und Park – eben wie in Paris. Das Denkmal „Kaiserstuhl“, eine steinerne Sitzbank mit dem Bildnis des Kaisers, stiftete die Kaisergattin ihrem Gatten 1875 anlässlich eines ihrer Besuche.

 

Voller Eindrücke, und trotz des heißen Augusttages durch den Schatten des Parks wohlauf, beschloss man den Spaziergang mit einer geziemten Einkehr in der Gaststätte „Hofschenke“ der ehemaligen fürstlichen Domäne.

 

Rolf Maier, Wanderführer


2015.08.06 Durch den Fürstlich-Hoehzolle
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